Mentoring ist ein Prozess – Umwege nicht ausgeschlossen

Im DOSB-Mentoring-Projekt erhalten neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang Unterstützung einer erfahrenen Mentorin oder eines erfahrenen Mentors. Im Interview kommen die Teams zu Wort.

Annelie Brendel spielte zunächst für den 1. FFC Turbine Potsdam beendete ihre Karriere allerdings beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance
Annelie Brendel spielte zunächst für den 1. FFC Turbine Potsdam beendete ihre Karriere allerdings beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance

In puncto Karriereleiter-Know-how gibt es beim Mentoring selbst für Olympiasiegerinnen und Medaillen-Gewinnerinnen viel zu lernen. Der DOSB stellte in seinem Programm „Mit dem gemischten Doppel an die Spitze!“ neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang eine erfahrene Mentorin oder einen erfahrenen Mentor an die Seite, um sie für ehrenamtliche oder hauptberufliche Führungsaufgaben im organisierten Sport zu gewinnen. In unserer Interview-Serie lassen wir die neun Mentoring-Teams zu Wort kommen. Diesmal:  UEFA-Cup-Gewinnerin und DFB-Pokal-Siegerin Annelie Brendel und Professorin Anne Jakob, Rechtsanwältin und Sportrechts-Expertin

Was steht auf der To-do-Liste einer Mentorin?

PROF. ANNE JAKOB: Es gab keine To-do-Liste. Das Ganze ist ein Prozess und die Zusammenarbeit entwickelt sich. Auch die Mentee hat vielleicht zu Beginn eine andere Vorstellung, und während des Miteinanders entwickelt sich eine Idee, eine Richtung. Das ist das Spannende an dem Programm: Am Anfang der Reise kennt man das Ziel. Die Strecke aber hängt von den Umständen ab und wird während der Fahrt festgelegt. Umwege nicht ausgeschlossen.

Was hat die Richtung bestimmt?

JAKOB: Die Aktivitäten haben sich allein nach dem Ziel der Mentee gerichtet. Sie hat ihre Ziele bestimmt und Wünsche geäußert. Ich habe dann überlegt, was ich tun, welches Netzwerk ich ihr eröffnen und welche Wege ich nutzen kann, um ihr zu helfen, ihre Ziele zu verwirklichen. Dabei kam uns zugute, dass wir beide Juristinnen sind.

Also viel Fachsimpeln?

JAKOB: Bei Annelie stand zunächst die Beendigung ihrer Dissertation im Vordergrund. Ich habe die Arbeit Korrektur gelesen und mit ihr besprochen. Ich habe sie auf Veranstaltungen und Seminare mitgenommen, aber auch in meine Vorlesung. Ebenso konnte Annelie während eines Praktikums in meiner Kanzlei alltägliche Anwaltsarbeit miterleben.

Vom Fußballplatz in eine Anwaltskanzlei – das klingt nach einem Traumstart ins Berufsleben...

ANNELIE BRENDEL: Ganz so einfach war es dann doch nicht. Zunächst musste natürlich neben dem Leistungssport irgendwie das ja nicht ganz so einfache Jurastudium absolviert werden. Nach dem Ende der Fußball-Karriere und dem zeitgleich erfolgreichem Abschluss des Jurastudiums arbeitete ich in den vergangenen drei Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Medizinrechtskanzlei Dierks und Bohle und betreute ein Forschungsprojekt der Charité, welches mir zugleich die Promotion ermöglichte.

Also haben Sie nicht nur die Doppelbelastung Leistungssport plus Studium gemeistert, sondern danach auch noch Job plus Promotion?

BRENDEL: Ja, insbesondere Letzteres war eine wahnsinnige Herausforderung. Zum einen hatte ich zuvor noch keine Berührung mit dem Medizinrecht, zum anderen ging es im Forschungsprojekt und der Doktorarbeit um die juristische Beurteilung eines hochinnovativen Geräts – einem Labor für die Kittel-Tasche, das auf Basis genetischer Biomarker arbeitet und damit nicht nur ein Verständnis der Genetik, sondern auch der Biotechnologie verlangt. Phasenweise hatte ich das Gefühl, noch ein Medizin- und Biotechnologie-Studium zu durchlaufen oder durchlaufen zu müssen.

Deshalb nun der Schlenker in Richtung Sportrecht?

BRENDEL: Ja, ich begann über andere Tätigkeitsfelder nachzudenken, in denen ich selbst bereits enorme praktische Erfahrungen einbringen kann. Da bietet sich bei mir mit über zwanzig Jahren aktivem Sport und zehn Jahren Leistungssport natürlich das Sportrecht an.

Wie haben Sie Ihren Zögling ins Sportrecht reinschnuppern lassen?

JAKOB: Annelie ist speziell zu Sportrechts-Tagungen mitgekommen, an denen wir dann aber auch ihre Themen besprochen haben. Telefonisch haben wir einen engen Kontakt. Darüber hinaus hat Annelie die Möglichkeit genutzt, vor Ort in meiner Kanzlei zu arbeiten. Wir haben sehr viel gesprochen. Natürlich konnte sich Annelie auch jederzeit an mich wenden, wenn es um Bewerbungen oder potentielle Arbeitgeber ging. Auch dazu haben wir uns ausgetauscht. Wenn Annelie Rat braucht, ruft sie einfach an. Umgekehrt übrigens auch: Wenn ich eine juristische Zuarbeit benötige, kann ich Annelie immer fragen, ob sie bereit ist, diese zu übernehmen. Das läuft alles sehr unkompliziert.

Ist das der Berufseinstieg „light“?

BRENDEL: Das kann man so sagen. Durch das Mentoring-Programm wird von Anfang an eine Vertrauensbeziehung zwischen Mentor und Mentee und damit eine gewisse Sicherheit für die Mentee geschaffen. Das hat man bei einem sofortigen Berufseinstieg in der Regel nicht. Da hält man sich aus Unsicherheit zunächst oft zurück.

Inwieweit hat Ihnen die Zusammenarbeit Sicherheit für Ihre Zukunft geschenkt?

BRENDEL: In erster Linie habe ich mir natürlich viel von meiner Mentorin abschauen können, z.B. zu Herangehensweisen oder Networking. Außerdem fand der Austausch auf Augenhöhe statt – das war toll. Und drittens lernt man auch wieder ein Stück mehr über sich selbst und kann sich wichtige Fragen beantworten.

Was haben Sie über sich als Mentorin gelernt?

JAKOB: Aus meiner ganz persönlichen Sicht bin ich gern Mentorin, weil ich etwas weitergeben kann. Ich möchte junge Frauen ermutigen, ihren Weg zu gehen, ihnen bewusst machen, dass sie etwas Besonderes sind und dass sie eine Menge bewegen können. Sollte das gelingen, wäre ich auch ein wenig stolz, dazu meinen kleinen Beitrag geleistet zu haben.

Wem würden Sie die Teilnahme am Programm empfehlen?

JAKOB: Allen, die das Gefühl haben, dass mehr in ihnen steckt, aber nicht wissen, wie sie es aus sich herauskitzeln können.

(Quelle: DOSB-Presse/Michaela Rose (www.MEDIA2MOVE.de))


  • Annelie Brendel spielte zunächst für den 1. FFC Turbine Potsdam beendete ihre Karriere allerdings beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance
    Annelie Brendel spielte zunächst für den 1. FFC Turbine Potsdam beendete ihre Karriere allerdings beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance

Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies, um Inhalte zu personalisieren, die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren und somit unser Angebot zu verbessern. Wir erheben dabei nur pseudonyme Daten, eine Identifikation erfolgt nicht. Ferner geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Webseite an unsere Partner für Werbung und Analyse weiter.