"Gewalt gegen Frauen - nicht bei uns"

Die DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers im Interview zur Aktion des DOSB und den Kampfsportverbänden gemeinsam mit Fraueninitiativen und Verbänden 2Gewalt gegen Frauen - nicht bei uns".

 

DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers.
DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers.

DOSB PRESSE: Zum Internationalen Frauentag am 8. März starten der DOSB und die Kampfsportverbände gemeinsam mit Fraueninitiativen und Verbänden die Aktion „Gewalt gegen Frauen – nicht bei uns“. Was ist der Hintergrund? 

RIDDER-MELCHERS: Frauen und Mädchen sind tagtäglich unterschiedlichsten Formen von körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt ausgesetzt – besonders im sozialen Nahbereich. Mindestens jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren hat – so eine Studie des Bundesfrauenministeriums – körperliche (23 %) oder sexuelle (7 %) Übergriffe durch Beziehungspartner erlebt. Das Thema Gewalt gegen Frauen ist auch für den Sport nicht neu. Allerdings ist es in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Wir wollen daher mit unserer Aktion ein deutliches Zeichen setzen. 

DOSB PRESSE: Was ist konkret geplant? 

RIDDER-MELCHERS: Wir bitten unsere Kampfsportvereine in Kooperation mit Fraueninitiativen und Frauenbüros zum 8. März viele Schnupperkurse in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung anzubieten. Der Sport kann bei der Gewaltprävention wirkungsvolle Hilfe leisten. Er kann Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft stärken und Frauen und Mädchen motivieren, sich gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen und sie zurückzuweisen. Das wollen wir bekannter machen und nutzen. Die Mobilisierungswelle ist im Dezember angelaufen: wir informieren die Vereine vor Ort und motivieren zum Mitmachen. Auch die Frauenverbände, Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen und kommunale Frauenbeauftragte nutzen ihre Informationswege und wollen möglichst viele Kooperationen anregen. Ziel ist es, dass sich aus dieser Zusammenarbeit weitere Aktionen entwickeln. 

DOSB PRESSE: Aktionspartnerinnen sind Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen und Frauenbüros. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? 

RIDDER-MELCHERS: Wir haben diese Zusammenarbeit angestrebt, weil die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen äußerst komplex ist und für eine nachhaltige Forcierung ein enger Austausch aller Verantwortlichen erforderlich ist. Das hat auch die Bundesregierung in ihrem Aktionsplan II zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen festgestellt. 

Wir können voneinander lernen: die Frauenverbänden wissen viel über die Ursachen, das Erkennen und den Umgang mit der Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft; der Sport kann mit seinen Angeboten Mädchen und Frauen stark machen, Selbstbewusstsein fördern und sie motivieren, Übergriffe jedweder Art zurückzuweisen. Zusammenarbeit lohnt sich. 

DOSB PRESSE: Kursangebote, auch wenn sie ehrenamtlich unterbreitet werden, kosten zwar nicht viel Geld, ganz kostenlos geht es aber auch nicht. Welche Finanzierungsmöglichkeiten sehen Sie? 

RIDDER-MELCHERS: Ich erwarte, dass unsere Vereine die Schnupperkurse diesmal kostenfrei anbieten. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Bund, Länder und Gemeinden solche Kurse gezielt fördern. Zum Anti-Gewaltprogramm gegen Frauen gehören wirkungsvolle Maßnahmen der Intervention und Prävention, wie z.B. die Bestrafung der Täter und der Schutz der Opfer. Kurse in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, noch dazu in der konzeptionellen Zusammenarbeit von Kampfsportverbänden und Frauenverbänden, sind ein wichtiger Baustein in der Gewaltprävention und sollten daher auch unterstützt werden. 

DOSB PRESSE: Wird es bei einer einmaligen Aktion bleiben? 

RIDDER-MELCHERS: Die Arbeitsgruppe des DOSB mit den Kampf-sportverbänden arbeitet seit knapp einem Jahr und hat diese erste gemeinsame Aktion zum Internationalen Frauentag am 8. März entwickelt. Die Kampfsportverbände haben Konzepte für Selbstbehauptung / Selbstverteidigung entwickelt und in der Praxis erprobt und das Thema zum Teil in ihre Ausbildungskonzepte integriert. Sie engagieren sich mit dieser Aktion in einem wichtigen sensiblen gesellschaftlichen Bereich und zeigen eindeutig Flagge für Frauen und gegen Gewalt.  

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon hat unlängst eine Kampagne bis 2015 ins Leben gerufen. „Say NO to Violence against Women!“ verfolgt das Ziel, Gewalt gegen Frauen zu beseitigen. 

Der Sport kann hier ein starker Bündnispartner sein: Er kann Frauen und Mädchen stärken, und er kann seine Millionen Mitglieder ermutigen, sich nicht mit Gewalt gegen Frauen abzufinden, sondern aktive Schritte zu ihrer Vermeidung und Bekämpfung zu machen. Da ist diese Aktion ein richtiger Anfang.


  • DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers.
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