DOSB-Fachforum: Zwischen Frauenförderung, Gleichstellungspolitik und Diversity-Ansätzen

Forderungen nach gleichberechtigter Teilhabe etwa mittels paritätischer Besetzung von Parlamenten einerseits, andererseits ein erstarkender Rechtspopulismus mit seinem rückwärtsgewandten Rollenverständnis, dazwischen die Suche nach geschlechtergerechter Sprache mit Pro und Contra finden sich in aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachforums, Foto: DOSB
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachforums, Foto: DOSB

Auch der organisierten Sport ist aufgefordert, sich in diesen Diskussionen zu positionieren, die eigenen gleichstellungspolitischen Positionen zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Mit diesem Anliegen hatten die DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, Dr. Petra Tzschoppe, und die Gruppe der Sprecherinnen der Frauen-Vollversammlung am 28. Februar zum Fachforum „Frauen und Gleichstellung“ nach Frankfurt am Main eingeladen. Ziel war es, in einem partizipativen Prozess mit Frauen- und Gleichstellungsvertretungen der DOSB-Mitgliedsorganisationen sowie Expert*innen innerhalb und außerhalb des Sports Ansichten und Erfahrungen rund um die Themen „Frauenförderung – Gleichstellung – Diversity“ aufzunehmen und daraus Ideen und Schritte für die künftige Arbeit im DOSB abzuleiten.

Mit Impulsgeber*innen aus unterschiedlichen Kontexten wurden zunächst verschiedene Zugänge aufgezeigt. Annika Pech, Referentin im Landessportverband Schleswig-Holstein, berichtete anschaulich über Veränderungsprozesse in ihrem Verband. Angeregt durch die Organisationsberatung des DOSB in 2014 wurde eine Entwicklung von reiner Frauenförderung hin zur Gleichstellungspolitik vollzogen. Damit dies gelingen konnte, galt es, die  Entscheidungsträger*innen im Verband einzubinden sowie den Mehrwert für den Gesamtverband zu verdeutlichen. Zudem bedurfte es einer guten Portion Optimismus und Humor. Mittlerweile hat der Verband unter anderem einen Gleichstellungsplan, eine AG Gleichstellung sowie einen Gleichstellungsbericht. Eine entsprechende Änderung der Satzung ist für 2019 geplant.

Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig, skizzierte binnen 15 Minuten ebenso informativ wie unterhaltsam zehn Jahre Erfolgsgeschichte des Gleichstellungsbüros der Universität Leipzig. Die zunächst gleichstellungspolitisch ausgerichtete Arbeit wurde mittlerweile zu einem intensiven Engagement für Chancengleichheit und Diversity ausgeweitet. Zum Gelingen beigetragen haben eine entsprechende Strategie sowie ein Grundverständnis von Intersektionalität, das sich in den Aktivitäten widerspiegelt, denn niemand ist „nur“ Frau bzw. Mann. Sein Fazit: Diversity ist das Chancengleichheitskonzept der Zukunft.

Eine wissenschaftliche Perspektive vermittelte der Impulsvortrag von Stefan Reuys, Partner bei SowiTra, Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer. Er stellte  Hauptergebnisse seines Forschungsprojektes „Geschlechtergerecht im Einsatz für eine bessere Gesellschaft?“ vor und richtete damit den Blick auf die Gleichstellung der Geschlechter im Dritten Sektor“. Ein zentrale Aussage der Studie: Alle untersuchten NonProfit Organisationen (NPO) fokussieren mittlerweile gleichstellungspolitische Aktivitäten. Für einen Erfolg muss Gleichstellung systematisch als Querschnittsthema begriffen und umgesetzt werden.

In der sich anschließenden Workshop-Phase diskutierten die Teilnehmenden intensiv unter anderem das Für und Wider reiner Frauenfördermaßnahmen, Vor- und Nachteile von gleichstellungspolitischen Aktivitäten sowie Voraussetzungen für eine gelingende Diversity-Politik. Zu den zentralen Aussagen aus den Workshops zählten:

  • Frauen sind  in zahlreichen Handlungsfeldern noch immer unterrepräsentiert und diskriminiert, deshalb braucht es nach wie vor explizite Frauenfördermaßnahmen.
  • Das Ausweiten des Engagements hin zu Diversity nützt auch dem ursprünglichen Anliegen „Frauenförderung“, da ein umfassendes gemeinsames Handeln insgesamt eine Kultur der Vielfalt und damit auch Frauen stärkt.
  • Die Komplexität der Thematik erfordert Zeit und eine kluge, strategische Vorgehensweise.

Die Teilnehmenden des Fachforums zeigten sich als Expert*innen und Vordenker*innen, die gleichstellungspolitische Entwicklungen verfolgen und offen für zukunftsorientierte Veränderungen sind. Verbunden mit einem Dank an alle Mitwirkenden für eine äußerst anregende Veranstaltung sah Vizepräsidentin Tzschoppe das Fachforum als gelungenen Auftakt eines wichtigen, gemeinsam zu gestaltenden Prozesses.


  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachforums, Foto: DOSB
    Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachforums, Foto: DOSB

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