Ausstellungen zur Geschichte des Frauenfußballs

Die bevorstehende Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat unterschiedliche Institutionen angeregt, sich der Geschichte des Frauenfußballs zu widmen.

Frauen-Fußball anno 1970. Foto: picture-alliance
Frauen-Fußball anno 1970. Foto: picture-alliance

Welcher Stellenwert dem Frauensport und insbesondere dem Frauenfußball mittlerweile von den höchsten Repräsentantinnen der deutschen Politik beigemessen wird, zeigt die Eröffnung der Ausstellung „Frauen schreiben Fußballgeschichte“ durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Die Ausstellung ist noch bis zum Tag der offenen Tür am 20. und 21. August im Foyer des Bundeskanzleramtes zu sehen. Allerdings ist eine Anmeldung als Besuchergruppe erforderlich. Die interessierten Besucher erwartet eine „Zeitreise durch die Geschichte des Frauenfußballs“, die auf einer großen Panoramawand, Text-, Grafik- und Bildtafeln präsentiert wird. Darüber hinaus hat die Stiftung DFB-Fußballmuseum aus ihrem Fundus zahlreiche Exponate zur Verfügung gestellt, die die vergleichsweise junge Geschichte des Frauenfußballs veranschaulichen. Auf diese Weise ist es gelungen, die Geschichte des Frauenfußballs von ihren Anfängen bis zu den jüngsten Erfolgen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft eindrucksvoll in Szene zu setzen.

Frauen-Kickertisch und Wissensquiz

Das Frauenmuseum Bonn präsentiert vom 22. Mai bis 17. Juli die Ausstellung „Fußball wird weiblich“. Diese Ausstellung beschränkt sich keineswegs auf die textliche und bildliche Darstellung der historischen Entwicklung des Frauenfußballs, sondern bezieht Künstlerinnen aus den teilnehmenden Nationen an der diesjährigen Frauenfußball-Weltmeisterschaft mit ein, die sich mit dem Thema Fußball aus der Sicht der Kunstschaffenden auseinandergesetzt haben. Ein Frauen-Kickertisch sowie die Teilnahme an einem Wissensquiz regen zu eigenen Aktivitäten an. Weiterhin bieten auf einer Hörinsel vielfältige Beiträge zum Thema Fußball, die in Kooperation mit der Deutschen Welle erarbeitet wurden, Anregungen und Denkanstöße.

Der Frauen-Kickertisch ist auch einer der Eyecatcher der Ausstellung „Zarter Fuß an hartem Leder“ in der Landesbibliothek Oldenburg, die noch bis zum 30. Juli zu sehen ist. Der Titel der Ausstellung führt die Besucher unmittelbar in die gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen um Frauen und Fußball, die bis in die 1970er Jahre dauern sollten und in denen mit pseudowissenschaftlichen und angeblich ethisch-moralischen Argumenten den Frauen der Zugang zum Fußballsport verwehr wurde. Mit der Aufhebung des Verbots zur Gründung eigener Fußball-mannschaften für Frauen durch den DFB im Jahre 1970 wechselten in Oldenburg umgehend Handballerinnen des VfL Oldenburg zum Fußball.

Kein Verständnis vom Arbeitgeber

Überhaupt liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf der lokalen und regionalen Entwicklung, die auf zahlreichen Text- und Bildtafeln präsentiert wird. Zu den Exponaten zählt auch das Trikot der heute immer noch jüngsten deutschen Nationalspieler. Claudia Lübbers, die damals beim SV Wilhelmshaven in der zweithöchsten deutschen Frauenfußballliga spielte, kam im Jahre 1994 als 16jänhrige zu ihrem ersten Länderspieleinsatz. Nach acht Länderspielen, in denen sie zwei Tore schoss, musste sie ihre internationale Karriere aber bereits nach zwei (!) Jahren wieder beenden – und das nicht aus sportlichen Gründen! Ihr damaliger Arbeitsgeber hatte kein Verständnis für ihre fußballerischen Aktivitäten und Erfolge und zog die zeitlichen Aufwendungen für die Länderspielvorbereitungen und -einsätze vom Urlaub ab. Damit war ihre Karriere in der deutschen Nationalmannschaft beendet.

„Von der Fußballbraut zur Weltmeisterin – die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland“ ist der Titel einer Wanderausstellung, die die AOK Rheinland/Hamburg initiiert hat und die die „bewegte Geschichte des Frauenfußballs“ dokumentiert. Diese Ausstellung ist vom 27. Juni bis 5. Juli in der Regionaldirektion Niederrhein/Mönchengladbach sowie vom 6. bis 22. Juli in der Regionaldirektion Leverkusen zu besichtigen.

Seit mehreren Jahren tourt die Wanderausstellung „Verlacht, verboten und gefeiert. Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland“, die von Jürgen Nendza und Eduard Hoffman konzipiert und in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung erarbeitet wurde, durch Deutschland. Diese Ausstellung dokumentiert die „Geschichte und Kultur der Fußballspielerinnen und ihren langen Kampf gegen männliche Vorurteile. Zu sehen ist diese Ausstellung bis zum 30. Juni im Sportpark Ostra & Sportgymnasium Dresden und vom 1. bis 31. Juli im Gunda-Werner-Institut in Berlin-Mitte

(Autor: Lorenz Peiffer)


  • Frauen-Fußball anno 1970. Foto: picture-alliance
    Frauen-Fußball anno 1970. Foto: picture-alliance