Preisverleihung im DOSB-Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“ 2020

 

Der Verein „Essener Turner Bund Schwarz Weiss e.V.“ erhielt mit seiner Hockeyabteilung den ersten Preis im Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“. Weitere Preisträger sind der SC Sigmaringendorf / Laucherthal e.V. und der PSV Eisenach.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zum fünften Mal den mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Wettbewerb ausgeschrieben. Gewürdigt werden herausragende Projekte von Sport-vereinen mit anderen gesellschaftlichen Akteur*innen im gemeinsamen Kampf gegen Gewalt.

Die digitale Preisverleihung fand symbolträchtig am 25. November 2020, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, statt. Bei ihrer Begrüßung betonte DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe, wie wichtig es gerade in diesen Zeiten sei, dass die in den Sportvereinen geknüpften starken Netze gegen Gewalt weiterhin verlässlich zur Verfügung stehen und auch alternative Formen gefunden werden, mit denen Betroffene geschützt und gestärkt werden. Bereits mit der Ausschreibung des Wettbewerbes hatte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey übermittelt: „Wir stärken unsere gesellschaftlichen Strukturen im Kampf gegen Gewalt: für ein starkes Netz, auf das sich Betroffene im Ernstfall verlassen können. Ich danke dem DOSB für seinen wichtigen Beitrag zur Prävention und Aufklärung im Kampf gegen Gewalt.“ Der Stellenwert dieses Engagements wurde auch im Grußwort von Bettina Metz aus der Sicht von UN Women bekräftigt. 

Genau in diesem Sinne agieren die im Wettbewerb beteiligten Vereine. Eine Jury, zusammengesetzt aus DOSB und Kooperationspartner*innen, hatte die drei Siegervereine ausgewählt, die während der Veranstaltung gewürdigt wurden.

Der PSV Eisenach wurde für das Projekt „Wehret den Anfängen – Gewalt nicht mit uns!“ mit dem dritten Preis geehrt. Die Laudatorin, Céline Sturm, Referentin für Kriminalprävention beim Weissen Ring e.V., hob hervor, wie wichtig es sei, dass Sportvereine so wie der PSV mit ihren Kursen niedrigschwellige Angebote anbieten, die in der Mitte der Gesellschaft verortet sind. „Wir freuen uns als WEISSER RING, Ihnen in diesem Projekt als Kooperationspartner zur Seite stehen zu dürfen“.

Der zweite Preis ging an den SC Sigmaringendorf / Laucherthal e.V. für das „Präventions- und Schutzkonzept zum Wohl von Kindern und Jugendlichen im Verein“. Mit seiner Laudatio würdigte der 1. Vorsitzende der Deutschen Sportjugend, Michael Leyendecker, wie der Verein zeigt, dass Schutz von Kindern und Jugendlichen durch vielfältige Aktionen gelingen könne. „Darüber hinaus fördern Sie Kinderrechte aktiv und fordern sie ein. Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie das Recht haben, sich einzumischen und gehört zu werden, wird bei Ihnen nicht nur auf dem Papier geschrieben, sondern ist elementarer Bestandteil der "DNA" Ihres Vereins!“.  

Mit dem ersten Preis wurde die Abteilung Hockey des Essener Turner Bund Schwarz Weiss e.V. für Ihr Engagement „Prävention – Sexualisierte Gewalt im Sport, Schweigen schützt die Falschen!“ ausgezeichnet. „Jeder Verein, der eine Anleitung für den Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport sucht, kann diese auf Ihrer Homepage finden“, so DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe in ihrer Laudatio. Die Jury sei von der Vielschichtigkeit des Engagements komplett überzeugt gewesen, es sei schlichtweg vorbildlich.

Im Kampf gegen Gewalt handelt der DOSB mit starken Partner*innen aus unterschiedlichen Bereichen und unterstützt so zum Beispiel das Hilfetelefon und die Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Daher wurde die Veranstaltung auch genutzt, um die Kampagne des Hilfetelefons „Wir brechen das Schweigen“ zu unterstützen.

Wir gratulieren allen Preisträger*innen und bedanken uns bei allen teilnehmenden Vereinen für die Einsendungen ihrer Projekte sowie ihr Engagement gegen Gewalt!

 

Laudationen und Interviews der Preisträger*innen:

 

Laudatio

(Laudatorin: Dr. Petra Tzschoppe, DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung)

Liebe Frau Hübscher, liebe Frau Wolf,

was Sie mit dem Projekt: „Prävention -Sexualisierte Gewalt im Sport, Schweigen schützt die Falschen!“ in der Abteilung Hockey im Essener Turner Bund Schwarz Weiss e.V. leisten, hat in seiner Vielschichtigkeit die Jury komplett überzeugt, es ist schlichtweg vorbildlich! Jeder Verein, der eine Anleitung für den Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport sucht, kann diese auf Ihrer Homepage finden. Um den zeitlichen Rahmen der Preisverleihung nicht zu sprengen, kann ich hier nur einige ihrer Aktivitäten herausgreifen: Seit Juni 2018 ist der ETB Hockey Mitglied im QUALITÄTSBÜNDNIS NRW SPORT. Bereits seit Januar 2013 sind sie in der Präventionsarbeit aktiv. Seither haben Sie Ansprechpersonen benannt, Vorstand und Trainer*innen eingebunden, für verantwortliche Betreuer*innnen und Vorstandsmitglieder Schulungen und Seminare angeboten, zudem beziehen Sie mit Informationsveranstaltungen ebenso Eltern sowie Kinder und Jugendliche ein. Dafür nutzen Sie neben der Expertise des eigenen Präventionsteams ebenso die des Landessportbundes NRW und der Sporthochschule Köln. Ehrenkodex und erweitertes Führungszeugnis gehören ebenfalls zu den Standards in Ihrer Abteilung und sie wirken mit Ihrer Arbeit in den gesamten Verein, bis hin zur Satzungsänderung. Auf dieses starke Fundament haben Sie mittlerweile weitere besondere Bausteine aufgesetzt: u.a. das Benefiz-Unicef-Projekt, ein Theaterprojekt und ein Selbstschutzprogramm. Dafür haben Sie sich immer wieder starke Kooperationspartner*innen gesucht, so das Kinderschutzbüro Essen, Unicef Essen, Wing Tsun Kung Fu, das Theaterprojekt „Anne Tore – sind wir stark“, den Westdeutschen Hockeyverband und den Landessportbund. Wir sind wirklich beeindruckt, wie Sie Ihren Verein zu einem sicheren Ort machen! Mein großer Respekt und ein Dankeschön für Haltung und Handeln! Gratulation für den ersten Preis im DOSB-Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“ 2020 an die Abteilung Hockey im Essener Turner Bund Schwarz Weiss e.V.!

Interview
(Fragen beantwortet von Roswitha Hübscher)

Sie sind seit vielen Jahren und über zahlreiche Projekte aktiv im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen (und auch Jungen). Was treibt Sie an zu diesem außergewöhnlichen und umfangreichen Engagement?

Diverse Erlebnisse in meiner Kindheit und Jugend, die ich bei Freunden und auch in der eigenen Familie erfahren habe, haben mich geprägt. „Früher“ sprach man nicht über schlechte Erfahrungen, sexuelle Belästigungen oder Übergriffe, verschwieg das eher. Bemerkungen wie „stell dich nicht so an“ oder „du bist doch selbst „schuld“ waren leider normal. Als heranwachsende fand ich das ganz furchtbar, fühlte mich selbst hilflos. Angst, Unsicherheit oder auch tiefe Traurigkeit erlebte ich bei manchen Betroffenen aber auch damals schon. Es hat mich seitdem immer beschäftigt. Als dann 2011 sexuelle Übergriffe auf weibliche Touristen und auch junge Pärchen in Indien immer häufiger in den Nachrichten zu hören waren, wurde auch erstmals die Öffentlichkeit über den Stand, die Akzeptanz von Frauen und jungen Mädchen alarmiert. Über den DHB (Deutschen Hockey Bund), LSB und WHV wurden Vereine und Bezirke aufgerufen, dieses Thema aufzugreifen und auf die sexualisierte Gewalt, besonders auch im Sport, aufmerksam zu machen. Vielen war bis dahin nicht bekannt, dass es bereits Richtlinien und Arbeitsgruppen seitens des Gesetzgebers gab, auch mir nicht. Das war für mich der Startpunkt endlich etwas gegen diese Ungerechtigkeit unternehmen zu können. Ich suchte im Internet nach Ansprechpartnern, Informationen und übernahm die Anregungen des LSB und WHV. Ende Januar, Anfang Februar 2012 begann ich mit der Präventionsarbeit „Sexualisierte Gewalt im Sport - Schweigen schützt die Falschen“ im ETB Hockey.

Für mich ist dieses Thema keine zeitbegrenzte Aktion, denn es wird immer aktuell sein. Regelmäßig muss jemand die Menschen anstupsen, darauf hinweisen, dass nicht immer alles in Ordnung ist, mir/uns nichts passieren kann. Je schnelllebiger unser Leben wird, desto geringer ist unsere Achtsamkeit. Ich glaube, viele Institutionen müssen hier einharken und sensibilisieren und informieren. Nicht nur Kitas und Schulen, auch Sportvereine sind wichtige Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Sie sollen sich an diesen Orten wohlfühlen und vor allem auch sicher. Wir erwarten Respekt und Akzeptanz, also müssen wir uns das erst einmal verinnerlichen und dann auch vorleben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Vorstand und bei den Eltern innerhalb unseres Vereins, habe ich aber auch bereits nach einigen Monaten sehr positive Reaktionen erhalten. Allein die Frage, wie würdest du dich fühlen, wenn… hat althergebrachtes Verhalten in Frage gestellt. Jeder Erfolg macht mich zufrieden und glücklich und das spornt mich an. Ich kann aber nicht Jahr für Jahr immer die gleichen Seminare oder Info-Veranstaltungen anbieten. Das wird langweilig für die angesprochenen und uninteressant. Immer wieder kommen neue Aspekte hinzu die wichtig sind, dazu auch neue Ergebnisse von Studien. Leider werden wir auch mit leichten bis hin zu schwereren Fällen konfrontiert und sammeln so selbst weitere Erfahrungen. Es ist mir ein starkes Bedürfnis, neue und bessere Informationen weiter zu geben. Kinder müssen stark sein, selbstbewusst, nicht egoistisch, sondern offen für Gefühle und ihre Grenzen. Als der WHV mich gefragt hat, ob ich meine Arbeit im ETB Hockey mit den WHV Vereinen teilen möchte, als Vermittler, Ansprechpartner fungieren möchte, war ich zwar zuerst skeptisch, habe mich aber dann doch getraut. Man lernt immer nur dazu … Die ersten Schwierigkeiten verglich ich mit meinen Erfahrungen in meinem Verein und ging demnach ähnlich vor. Einige Vereine waren bereits informiert, viele nicht. Inzwischen sprechen wir offen über das Thema Sexualisierte Gewalt, über Probleme in anderen Mannschaften, was alles dazu beiträgt, z.B. Mobbing, soziale Netzwerke und tauschen unsere Erfahrungen aus.

Ich finde es herrlich, wie offen und ehrlich diese Arbeit inzwischen läuft. Wenn unsere Kinder, Jugendliche, Eltern oder auch Trainer mit Fragen auf mich zu kommen oder vielleicht nur wissen möchten, ob sie richtig reagiert haben, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe. Deshalb mache ich weiter, plane bereits dieses Jahr, auch wenn wieder einiges verschoben werden muss. Mädchen und Jungen stark zu machen, ihnen zu zeigen achtsam zu sein, Erwachsene zu sensibilisieren und so manches Schlimme, Verletzungen an Leib und Seele vermeiden zu können, macht mein Leben um einiges sinnvoller.

Welche Erfahrungen/Empfehlungen hinsichtlich Ihrer unterschiedlichen Formate können Sie Vereinen, die sich noch nicht so lange oder erstmals mit der Thematik beschäftigen, mit auf den Weg geben?

Als erstes ist es wichtig sich selbst ein Konzept zu bauen: - was will ich erreichen - was kann ich zeitlich, physisch umsetzen - für wen, welche Gruppe (nur Mädchen, nur Jungen, Kinder und Jugend, Erwachsene, ..) will ich das umsetzen - wer kann mir dabei zur Seite stehen - wo bekomme ich Hilfe, wer beantwortet meine Fragen?

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das Internet zwar ein riesiges Spektrum an unterschiedlichsten Informationen hat, aber nichts über persönliche Kontakte und Gespräche geht. Dazu gehören z.B. Kinderschutzbund oder Mädchen-/Frauenräume, Jugendamt und auch Leute, die bereits im kleinen Kreis aktiv sind. Gerne auch Fragelisten erstellen und die Antworten immer notieren. Verschiedene Antworten auf eine Frage helfen dabei das beste für die eigene Arbeit heraus zu finden. Niemals die Arbeit anderer 1:1 umsetzen, das klappt nicht. Anregungen und Ideen erweitern den eigenen Horizont und bringen immer etwas passendes hervor. Fehler oder auch Probleme sind normal und fordern zum Lösen auf, also nicht aufgeben, weiter fragen und informieren bis alles passt. Wenn die Arbeit läuft, immer wieder mit anderen Vereinen oder Gruppen austauschen und auch mit den Teilnehmern, also Eltern, Vorstand, Jugendliche…, reden, Feedback einholen, Kritiken positiv aufnehmen und als Verbesserung annehmen.

Sie haben sich immer wieder starke Kooperationspartner*innen gesucht. Wie funktioniert die Vernetzung und welchen Mehrwert bietet sich dadurch für den Verein?

Wenn man in der Planung sitzt und überlegt, was bisher erreicht wurde, was erneuert und erinnert werden muss und welche Lücken noch da sind, dann fallen einem die Veränderungen im alltäglichen Leben ein, Neues in social Media, Wege zur Selbstständigkeit der Kinder, Auffälligkeiten in den Nachrichten…Zuhören und beobachten der Kinder und Jugendlichen bringt ebenfalls neue Erkenntnisse drüber, wo neue Lücken auftauchen. Dabei geraten wir häufig an unsere Leistungsgrenze und suchen dann gezielt in unserer Nachbarschaft nach geeigneten Partnern, online oder persönl. Tipps. Ich kontaktiere und vereine einen Gesprächstermin.- Bei UNICEF war das anders. Mit unserem Kinderturnier“ Hockeymädchen trifft Hockeyjungen“, der Nachfolger ist das sommerliche Revierkraft Turnier, haben wir jahrelang das Spatzennest in Essen unterstützt. Aber die Spenden fielen zuletzt extrem mager aus. Daraufhin suchten wir bekannte Organisationen. Anfragen an DKMS verliefen im Sande, also suchten wir weiter und sprachen persönlich mit der Essener Geschäftsstelle von Unicef. Mit großer Dankbarkeit war UNICEF dabei. Die Spenden, die wir bisher für Schul- und Schutzprojekte übergeben konnten liegen bei über 6000€. Wie verlinken unsere Homepages und so wirbt der eine für andere. Wir alle erreichen mehr Menschen, dass ist unser aller Nutzen. Dazu natürlich auch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Wie werden Ihre Aktionen in der Öffentlichkeit wahr- und angenommen?

Wir setzen bereits die Ankündigungen unserer Aktionen auf unsere Facebook Seite, was ca. 250 FB Nutzer sehen, nach Möglichkeit auch auf unsere Homepage. Während und auf jeden Fall nach diesen Aktionen schreibe ich Berichte für das Radio und die Zeitung. Meistens haben wir Glück und es wird berichtet. Das kommt jedes Mal sehr positiv sehr in der Öffentlichkeit an. Einmal erfahren wir das von unseren Mitgliedern, per What´s App, dann aber von Apotheken-, Supermarktmitarbeitern oder einfach Ansprechen auf der Straße: ich habe gelesen, dass…. Das ist ja super! Was ihr alles auf die Beine stellt! “ Besonders zu dieser Auszeichnung erreichten uns Glückwunsche und „weiter so“ von verschiedenen Institutionen bis hin zum Deutschen Hockeybund.

Seit Juni 2018 ist der ETB Hockey Mitglied im QUALITÄTSBÜNDNIS NRW SPORT, wie kam es dazu und welche Kriterien muss man als Verein erfüllen, um Mitglied zu werden?

Es war eher ein Zufall. Wir haben unsere Arbeit immer weiterentwickelt und ausgebaut. Die wichtigen Kriterien zum Schutz vor Sexualisiert Gewalt im Sport die auch der WHV vorgibt, haben wir umgesetzt. Irgendwann stieß jemand aus unserem Team auf die Broschüre Qualitätsbündnis und stellte fest, dass wir bereits alles bis auf einen Punkt erfüllen. Wir verteilen bei Infoveranstaltungen diese Broschüre, haben das aber nicht auf uns bezogen. Der fehlende Punkt war die Satzung des Gesamtverein. Ich habe 2Jahre gebraucht um die Änderung durchzubekommen. Mit Unterstützung des Stadtsportbundes Köln und des LSB wurde unsere Bewerbung dann sehr schnell angenommen und ausgezeichnet.

Was haben Sie für Pläne mit dem Preisgeld?

Einen Teil des Geldes werden wir für die Neuauflage unseres neuen Hefts „Wir beugen vor“, Präventions-Konzept im ETB Hockey, verwenden. Das ist dringend notwendig. Den größten Teil des Geldes nutzen wir für unsere Kooperationspartner, die nicht über den LSB oder das Qualitätsbündnis unterstützt oder finanziert werde. Das ist in erster Linie die WTKF Schule hier in Essen. In regelmäßigen Abständen telefonieren wir miteinander, aber eine Planung ist wegen Corona leider noch nicht möglich. Klar ist, dass wir unsere Mädchen- und Jungenmannschaften ab 10/11 Jahre bis 14 Jahre komplett schulen lassen möchten, nach Möglichkeit auf unserem Hockeyplatz, aber auch in den Räumen der Schule. Angedacht sind jeweils 2x 2,5 Stunden mit jeweils max. 10 Kindern. Anschließend richten wir dieses Angebot an die Jugendlichen über 14 Jahre.

 

Das Vorstandstrio
Das Vorstandstrio

Laudatio

(Laudator: Michael Leyendecker, 1. Vorsitzender Deutsche Sportjugend)

Lieber Herr Münzer,stellvertretend für den gesamten Verein Sportclub Sigmaringendorf / Laucherthal e.V.,

eindrucksvoll und beeindruckend waren die ersten beiden Begriffe, die mir in den Sinn kamen, als ich mich auf diese Laudatio vorbereiten durfte. Sie zeigen mit Ihrem Team, dass Schutz von Kindern und Jugendlichen durch vielfältige Aktionen gelingen kann. Sie zeigen aber vor allem Haltung. Sie zeigen Haltung gegen Gewalt, insbesondere sexualisierter Gewalt, indem sie klar und präsent das "Kindesschutzsiegel: Na klar" auf der Homepage präsentieren. Sie zeigen Haltung, indem sie nicht auf die Kosten schauen, sondern Kindern und Jugendlichen kostenfrei Schulungen zum Thema Gewaltprävention und Selbstverteidigung anbieten. Dazu arbeiten Sie mit Gewaltpräventions-Coaches und lizensierten Übungsleitenden im Bereich des Kampfsports zusammen. Damit konnten Sie bereits über 60% "Ihrer" Kinder und Jugendlichen schulen. Darüber hinaus geht Ihr Ansatz noch viel weiter, indem Sie Kinderrechte aktiv fördern und einfordern. Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass sie das Recht haben sich einzumischen und gehört zu werden, wird bei Ihnen nicht nur auf dem Papier geschrieben, sondern ist elementarer Bestandteil der "DNA" Ihres Vereins! Sie zeigen Haltung, indem sie dieses wichtige Thema auch gezielt mit den Eltern besprechen und diskutieren und indem Sie klare Verhaltensregeln für alle und einen Ehrenkodex eingeführt haben. Eindrucksvoll und beeindruckend waren meine ersten beiden Begriffe die mir in den Sinn kamen, wie ich zu Beginn geschildert habe -bleiben Sie diesem Weg und dieser Haltung treu, denn nur wenn wir alles daran setzen, dass Kinder und Jugendliche ein sicheres Umfeld in unseren Sportvereinen bekommen, erst dann kann der Sport und das soziale Miteinander im Verein Kinder und Jugendliche zu starken Persönlichkeiten entwickeln! Sie und Ihr Verein tun dies auf vorbildliche Art und Weise! Für dieses Engagement und für diese Haltung darf ich Ihnen heute danken.

 

Interview

(Fragen beantwortet von Anne Neumann, Marion Rebholz, Rolf Münzer)

Wie kam es dazu, dass der Sportclub Sigmaringendorf / Laucherthal e.V. ein Präventions- und Schutzkonzept zum Wohl von Kindern und Jugendlichen verabschiedet hat und wie wurde dieses angenommen?

Wie schon in unserer Bewerbung erwähnt, haben wir nach Erfüllung der Erfordernisse nach § 72 a SGB dieses Konzept erarbeitet, das von den Teilnehmer*innen an der Mitgliederversammlung 2018 einstimmig in die Satzung aufgenommen wurde und somit für alle Mitglieder verbindlich ist. Bereits mehr als die Hälfte unserer minderjährigen Mitglieder konnten, trotz Unterbrechungen durch die coronabedingten Einschränkungen, an den Schulungen teilnehmen. Da vor jedem neuen Kurs ein Elterninformationsabend stattfindet, konnten wir auch die Eltern mit einbeziehen und von der hohen Qualität unseres Konzeptes überzeugen.

 

Können Sie drei elementare Bereich Ihres Schutzkonzeptes exemplarisch darstellen?

Unser Schutzkonzept beruht auf drei Säulen:

1. Theoretische Schwerpunkte zur Gewaltprävention:

- Welche Gewalt kann uns begegnen?

- Unterschied Selbstbehauptung / Selbstverteidigung

- Faktoren selbstbewussten Auftretens

- Die 4 Tests des Täters

- Notwehr

- Eigene 4 Möglichkeiten im Konfliktfall

- Zivilcourage

 

2. Praktische Übungen zum Selbstschutz:

- Üben der Schutzhaltung

- Schutzhaltung mit verbaler Ansage

- Blocktechnik zum Schutz des Kopfes erlernen, 

- eigene Kontertechnik erlernen

- Erlernen von Nervendruckpunkten an Ohren / Nase

- Lösetechnik bei Griff am Arm

- Abwehr gegen Umklammerung, Würgen usw.

 

3. Die dritte Säule wird durch die Beantwortung der folgenden Frage dargestellt:

Welche weiteren Angebote bietet Ihr Verein in dem Themenfeld der Gewaltprävention an? Gibt es weitere Ansätze?

Da Gewalt und Sucht oft in enger Korrelation zu einander stehen, haben wir unser Konzept auch auf den Bereich Suchtprävention ausgedehnt. Wesentliche Themen sind:

- Übungen zur Achtsamkeit

- Übungen zur Körperwahrnehmung

- Gesunde Ernährung

- Umgang mit Medien

- Umgang mit Suchtmittel

- Verhalten in Peer-Groups

- Umgang mit seelisch bzw. depressiv kranken Personen    

 

Sie bieten Kindern und Jugendlichen kostenfrei Schulungen zum Thema Gewaltprävention und Selbstverteidigung an. Ist dies in Zukunft noch möglich?

Vorläufig können wir das weiter beibehalten, dennoch sollte man sich in der Politik mit dem Thema Gewaltprävention näher befassen. Es gibt weder im Landesjugendplan noch in den Förderangeboten der Landkreise explizite Fördermittel für derartige präventive Maßnahmen. Vereine, die nicht wie wir in den Genuss von einem Preisgeld kommen, sehen sich mit dem Problem der Finanzierbarkeit konfrontiert.

 

Sie arbeiten mit Gewaltpräventions-Coaches zusammen, welche Erfolge erzielen Sie gemeinsam?

Wir können uns insofern glücklich schätzen, dass unsere Coaches allesamt, nachdem sie unser Konzept kennengelernt haben, unserem Verein beigetreten sind. Dies ist für uns ein tolles Zeichen der Identifikation mit dem Verein aber auch ein klares Bekenntnis zu unserem Konzept. Ein weiterer Erfolg ist, zu sehen wie sich die Jugendlichen schon nach wenigen Einheiten hinsichtlich Auftritt, Körpersprache und Beurteilung von Alltagssituationen positiv verändern.

 

Allgemeine Frage: Was haben Sie für Pläne mit dem Preisgeld?

Jeder Cent des Preisgeldes fließt in die Durchführung und Weiterentwicklung unseres Präventions- und Schutzkonzeptes.

Interview

(Fragen beantwortet von Frank Albrecht, Christine Kinder, Andreas Kinder)

Wie kam die Kooperation mit dem Weissen Ring zustande und wie werden die Kurse von Betroffenen angenommen?

Der Kontakt zum Weissen Ring wurde aktiv gesucht, da wir unser SV-Training so aufgebaut haben, dass auch Betroffene davon angesprochen werden sollen. Ein wichtiger Bestandteil unseres SV-Trainings ist auch die Zivilcourage bzw. das Einbeziehen der Öffentlichkeit.

 

Was hat sich gewandelt in Bezug auf Ihre Angebote vor der Kooperation mit dem Weissen Ring?

Das Nachstellen von bestimmten Situationen war nur vereinzelt Inhalt unseres Konzepts. Rollenspiele sind auch bei uns dafür da, um mit Betroffenen nicht nur bestimmte Situationen durch zu spielen, um die „Ohnmacht“ zu nehmen, sondern auch die Erfahrungen der Teilnehmer*innen zu verstehen und anschließend Lösungen aufzuzeigen.

 

Gestaltet sich die Konzeptionierung eines Trainings von/mit Betroffenen anders und wenn ja, worin äußert sich dies und wie setzen Sie das um?

Die Erfahrungen/Schicksale der Betroffenen sind für uns am Anfang schwer vorstellbar gewesen. Mittlerweile haben wir aus deren Erfahrungen gelernt und können somit unser SV-Konzept fortlaufend ergänzen.

 

Sie planen, einen Selbstbehauptungs- und verteidigungskurs für Senior*innen und Menschen mit Behinderung umzusetzen. Gibt es hier Synergien, die sie aus dem aktuellen Kurs ziehen können?

Ja, wir können auf die Erfahrungen des SV-Trainings zurückgreifen. Bestimmte Inhalte sind dabei gleich, wie Selbstwahrnehmung, -behauptung und Selbstverteidigung, Öffentlichkeit herstellen und Zivilcourage.  Andere Inhalte müssen auf die jeweilige Personengruppe angepasst werden.

Beispiel Selbstwahrnehmung: Hier haben wir die Sturzprävention angepasst. Dabei lernen die Teilnehmer*innen, wie eine Rolle im Idealfall funktioniert. Eine Rollübung bei Senior*innen ist aber anders als bei jüngeren Teilnehmer*innen. Bei Senior*innen ist der Weg zu einer Rolle auf der „Judo-Matte“ länger als bei Jüngeren aufgrund ihrer anfänglichen Angst. Menschen mit Behinderung in einem Rollstuhl können kaum eine Rolle machen. Aber hier versuchen wir, noch Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Im SV-Training haben wir die Verteidigung mit dem Schirm. Bei den Senior*innen kommt ergänzend der Gehstock und die Verteidigung mit der Handtasche dazu.

 

Ihr Leitsatz für dieses Projekt lautet: „Wer kämpfen kann, der prügelt nicht“. Was leiten Sie daraus ab? 

Prügeln ist ein Ausdruck von Gewalt und Hilfslosigkeit, Aggressionen werden aufgestaut und kommen plötzlich zum Vorschein. Der Aggressor sucht sich ein Opfer!

Kämpfen findet unter gleichwertigen und gleichberechtigten Partner*innen statt. Es ist ein Messen und ein gegenseitiges Dazulernen zwischen den Partner*nnen. Hier sucht keine(r) ein Opfer.

 Im Nachgang haben wir von Frauen erfahren, dass nach unserem Training ein bestimmtes Auftreten in einer brenzligen Situation den Angreifer davon abgehalten hat, die Situation eskalieren zu lassen.

 

Allgemeine Frage: Was haben Sie für Pläne mit dem Preisgeld?

Wir werden das Preisgeld dazu nutzen, um unsere Schutzausrüstung zu ergänzen und weitere didaktische Mittel/Gegenstände für weitere SV-Trainings zu besorgen.  

 

Portrait Franziska Giffey c Bundesregierung JescoDenzel 2

Statement von Frau Bundesministerin Dr. Franziska Giffey zur Aktion "Starke Netze gegen Gewalt"

„Gewalt gegen Frauen geht uns alle an, sie kommt in allen sozialen Schichten und Altersgruppen vor. Als Frauenministerin arbeite ich mit aller Kraft daran, dass Betroffene die Hilfe bekommen, die sie benötigen, um sich von Gewalt zu befreien. Deshalb haben wir die bundesweite Initiative ´Stärker als Gewalt` gestartet. Sie soll Hilfsangebote bekannter machen und von Gewalt betroffene Frauen und Männer ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Mit der bundesweiten Aktion ´Zuhause nicht sicher?` weisen rund 26.000 Supermärkte mit Plakaten auf die Initiative ´Stärker als Gewalt` hin. Ich freue mich sehr, dass wir den DOSB hier mit an Bord haben. Der Sport schafft Gemeinsamkeiten und bringt viele Menschen zusammen. Im Sportverein kennt man sich und achtet auf einander. Gemeinsam sagen wir heute: Gewalt hat keinen Platz in unserer Mitte. Wir stärken unsere gesellschaftlichen Strukturen im Kampf gegen Gewalt: für ein starkes Netz, auf das sich Betroffene im Ernstfall verlassen können. Ich danke dem DOSB für seinen wichtigen Beitrag zu Prävention und Aufklärung im Kampf gegen Gewalt.“ 

Statement von Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons, zur Aktion "Starke Netze gegen Gewalt"
„Auch im Sport hat sexualisierte Gewalt keinen Platz! Diese wichtige Botschaft sendet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit seiner Aktion ´Starke Netze gegen Gewalt`, mit der sich Jahr für Jahr zahlreiche Vereine gegen Gewalt an Frauen einsetzen. Sportvereine haben eine wichtige Verantwortung, bei allen Formen sexualisierter Gewalt im Sport genau hinzusehen und präventiv einzuschreiten. Sie dürfen nicht zulassen, dass Gewalt bagatellisiert und Betroffene erneut viktimisiert werden. Vielmehr gilt es, ihnen aufmerksam zuzuhören und sie darin zu bestärken, sich Anderen anzuvertrauen. Die Botschaft muss lauten: Ihr habt das Recht, Hilfe und Unterstützung zu bekommen – sei es beim Hilfetelefon ´Gewalt gegen Frauen`, einer Beratungsstelle oder bei jemandem aus dem sozialen Umfeld. Selbstbestimmung und Schutz vor sexualisierter Gewalt müssen auch im Sport oberstes Gebot sein“. 

Hamburg Zoepfe2

Statement von Kirsten Bruhn, Botschafterin der Aktion "Starke Netze gegen Gewalt"
"Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit Behinderung, ganz egal welcher Art, kommt  häufiger vor, als man denkt. Und wird dann gern auch mal heruntergespielt. Mit der Aktion kann es uns gelingen, das Thema aus der Tabuzone herauszuholen und Mädchen und Frauen selbstbewusster zu machen. Für mich hat Gewalt im Sport und außerhalb keinen Raum!"

News "Aktion gegen Gewalt"

Essener Turner Bund Schwarz Weiss gewinnt Vereinswettbewerb

Der Verein „Essener Turner Bund Schwarz Weiss e.V.“ hat mit seiner Hockeyabteilung den ersten Preis im Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“…

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Starke Netze gegen Gewalt

Seit 2008 stellt der DOSB mit seiner Aktion „Starke Netze gegen Gewalt: Keine Gewalt gegen Mädchen und Frauen!“ eine Plattform zur Prävention dar und ruft jährliche seine Sportvereine auf, sich an der Aktion zu beteiligen. Denn im und durch Sport erfahren Mädchen und Frauen Selbstsicherheit und sie erlernen Techniken der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung. Ein starkes Netzwerk aus 12 Aktionspartnerinnen rund um den DOSB – Frauenorganisationen, Hilfevereinigungen, (Kampf-)Sportverbände – bietet den Sportvereinen fachliche, mediale und organisatorische Unterstützung und Begleitung für ein Engagement gegen Gewalt.  

Motive der Aktion: Zahlen des „Gewalt gegen Frauen-Surveys“ der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte von 2014 legen dar, dass mehr als jede dritte Frau in Deutschland seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat. 60 Prozent der Frauen wurden sexuell belästigt. Für den DOSB folgt daraus ein klarer Auftrag, sich für eine Kultur im Sport einzusetzen, die solcherart Gewalt keinerlei Raum bietet, sondern die von Respekt, Wertschätzung und einem aufmerksamen Miteinander geprägt ist.

Aktionspartner*innen der Aktion

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