Zum Weltfrauentag: Es bleibt noch einiges zu tun

Trotz zahlreicher Fortschritte auf dem Weg zu gleichen Chancen für Frauen und Männer bleibt auch im Sport noch einiges zu tun, sagt Autorin Petra Tzschoppe.

Frauen holen auch im Sport langsam auf. Foto: LSB NRW
Frauen holen auch im Sport langsam auf. Foto: LSB NRW

Alle Jahre wieder werde ich vor dem 8. März um Interviews gebeten, in denen entweder unterschwellig oder ganz offen die Frage formuliert wird, ob es denn diesen Weltfrauentag heute überhaupt und speziell im Sport noch bräuchte. Damals, 1911, als mit dem ersten weltweiten Frauentag gleiche Rechte für Frauen gefordert wurden, besaßen sie in den meisten Ländern noch nicht einmal das Wahlrecht. Das galt ebenso für die Mehrzahl der Turnvereine, in denen Frauen inzwischen zwar mitturnen, aber nicht mitentscheiden durften. Lediglich in den Arbeiterturnvereinen waren die Frauen bereits Vollmitglieder und besaßen trotz bestehender Vorbehalte der durchweg männlichen Funktionäre Stimm- und Wahlrecht.

Inzwischen haben Frauen längst das aktive und passive Wahlrecht, die Bundesrepublik wird seit mehreren Legislaturperioden von einer Kanzlerin repräsentiert, für das künftige Kabinett benennen Parteien, die 2018 in der Gegenwart angekommen sind, ebenso viele Ministerinnen wie Minister. Was freilich nicht überdeckt, dass durch die Wahl im September des Vorjahres der Frauenanteil im Bundestag nur noch 31 Prozent beträgt und damit so niedrig ist wie zuletzt im vorigen Jahrtausend. Auch im Erwerbsleben haben Frauen in Deutschland bis heute nicht die gleichen Chancen, die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern liegt bei 21 Prozent, selbst bei gleicher formaler Qualifikation, und ansonsten gleichen Merkmalen beträgt der Unterschied in der Bezahlung 6 Prozent.

Wie sieht es nun im Sport mit der gleichberechtigten Teilhabe aus? Betrachten wir doch dafür beispielhaft ein ganz aktuelles Ereignis, das erst vor wenigen Wochen weltweit große Aufmerksamkeit erzeugt hat. Auch in Deutschland haben sich zahlreiche Menschen von den Olympischen Spielen in PyeongChang begeistern lassen. Und es waren in der Tat faszinierende Spiele mit großartigen Akteuren, beeindruckenden sportlichen Leistungen, bemerkenswerten Sportstätten und ungezählten, stets freundlichen Volunteers.

Aber waren die Winterspiele auch von einer gleichberechtigten Teilhabe von Männern und Frauen geprägt? Schließlich ist dies mittlerweile ein grundlegendes Handlungsprinzip des IOC, das sich in der gezielten Förderung von Frauen manifestiert und beispielsweise in einer zunehmen-den Zahl von Mixed-Wettbewerben Ausdruck findet. Auf diese Weise ist der Anteil der Sportlerinnen unter allen Aktiven 2018 auf 43 Prozent gestiegen, bei den ersten Winterspielen 1924 lag er bei gerade einmal 4 Prozent. In allen sieben Sportarten sind Frauen mittlerweile startberechtigt, allerdings noch nicht in allen Disziplinen. Nachdem seit 2014 auch das Skispringen für Frauen olympisch wurde, dürfte es freilich nur die Frage einer kurzen Zeit sein, ihnen weder das Springen von der Großschanze noch den attraktiven Wettbewerb in der Nordischen Kombination unter den Olympischen Ringen zu verwehren. Team-Wettbewerbe mit Frauen und Männern könnten das Anliegen weiter vorantreiben.

Im Team Deutschland waren unter den 154 nominierten Aktiven 60 Sportlerinnen, der Anteil von 39 Prozent begründete sich neben der etwas geringeren Zahl von Frauenwettbewerben vor allem daraus, dass im Eishockey lediglich die Männer die Qualifikation geschafft hatten. Deren mitreißende Spiele trugen ebenso zur großartigen Bilanz bei wie die Leistungen all der anderen Athletinnen und Athleten von Dahlmeier über Frenzel, von Jamanka und Friedrich zu Althaus und Wellinger sowie Sawtschenko & Massot. Und, und, und – ein wirkliches Team D, in dem Sportlerinnen und Sportler gemeinsam zur so erfreulichen Bilanz beigetragen haben. Bis hierhin ist also alles ziemlich gut.

Dehnen wir die Frage nach der gleichberechtigten Teilhabe aber auf das Umfeld aus, lautet die Antwort anders. Unter den nominierten Betreuern des deutschen Teams betrug der Frauenanteil ganze 10 Prozent, war die Delegationsleitung mit der DOSB-Vorstandsvorsitzenden Veronika Rücker und dem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann perfekt besetzt, setzte sich das aber weder in den Teilmannschaftsleitungen noch beim medizinischen oder dem technischen Personal fort. In Zahlen: 18 Ärzte, keine Ärztin, neben 45 Technikern eine Frau und neben 78 Trainern lediglich zwei Trainerinnen. Der Frauenanteil von 35 Prozent unter den nominierten Pressesprechern/-innen wirkt da geradezu vorbildlich. Insbesondere wenn man ihn in Bezug setzt zur Zahl der insgesamt für die Spiele akkreditierten Medienvertreter aller beteiligten Nationen. Auch unter diesen waren nicht einmal 20 Prozent weiblich.

Ganz offensichtlich: Trotz zahlreicher Fortschritte auf dem Weg zu gleichen Chancen für Frauen und Männer bleibt noch einiges zu tun. Und genau darauf sind die strategischen Eckpunkte zum Themenfeld Gleichstellung im DOSB bis 2020 ausgerichtet: Sie zielen u.a. darauf, mehr Trainerinnen  zu gewinnen sowie eine geschlechtergerechte Darstellung in den (Sport-)Medien zu erreichen. Und es geht weiterhin darum, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Übrigens: Im Dezember 2018 wird das neue DOSB-Präsidium gewählt. Frauen haben das aktive und passive Wahlrecht längst erkämpft… 

(Autorin: Dr. Petra Tzschoppe)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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