Zum Internationalen Frauentag: Forderung nach Existenzsicherung und Lohngleichheit

Die Vizepräsidentin für Frauen und Gleichstellung des DOSB, Ilse Ridder-Melchers, zum Internationalen Frauentag am 8. März und zur DOSB Initiative "Frauen gewinnen".

 

Ilse Ridder-Melchers will am Internationalen Frauentag auch Missstände anprangern.
Ilse Ridder-Melchers will am Internationalen Frauentag auch Missstände anprangern.

2009 ist ein frauen- und gleichstellungspolitisch bedeutsames Jahr. Am 19. Januar 2009 konnten wir 90 Jahre aktives und passives Wahlrecht für Frauen feiern, und im Mai 2009 wird unser Grundgesetz 60 Jahre alt. Mit Artikel 3 Absatz 2 Grundgesetz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ haben die vier Verfassungsmütter - allen voran Elisabeth Selbert - dafür gesorgt, dass die uneingeschränkte Gleichstellung der Geschlechter zum Staatsziel erhoben und die Umsetzung tatsächlicher Gleichstellung zur staatlichen Aufgabe erklärt wurde - gegen viele Widerstände! Seitdem haben wir in Deutschland viele Schritte hin zu mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen gemacht.

Trotzdem gibt es 2009 weltweit und bei uns leider noch viele Gründe, dass Frauen am 8. März, dem Internationalen Frauentag, nicht nur feiern, sondern Missstände anprangern, Defizite benennen und Frauen motivieren, gemeinsam dagegen aufzustehen. Die jüngste Untersuchung über das Lohnniveau von Männern und Frauen verweist Deutschland mit 23% weniger Verdienst auch für gut ausgebildete Frauen im europäischen Vergleich auf die hinteren Plätze. Der aktuelle Familienbericht offenbart die prekäre Lage vieler Alleinerziehender und ihrer Kinder - ein Leben an oder unter der Armutsgrenze, die eine gesellschaftliche und sportliche Teilhabe oft erschweren oder unmöglich machen. Daher geht es auch am Internationalen Frauentag 2009 am Sonntag, 8. März, um die Forderung nach Existenzsicherung und Lohngleichheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und uneingeschränkte politische und gesellschaftliche Teilhabe für Frauen.

Frauen haben viele Sportarten für sich "erobert"

Auch für den Sport gilt: in den vergangenen Jahrzehnten haben Frauen viele Hürden überwunden. Mit Hartnäckigkeit und Liebe zu ihren Sportarten haben sie fast alle Disziplinen für sich erobert. Der Frauenfußball ist dafür nur ein plakatives Beispiel: bis Anfang der 70iger Jahre noch im DFB ein großes Tabu, weil dieser Kampfsport Körper und Seele der Frauen schädige, sind unsere Fußballerinnen heute Vorzeigesportlerinnen geworden.

Dies sind wichtige Etappensiege, aber noch kein Gesamtsieg. Daher hat der Deutsche Olympische Sportbund 2009 eine Initiative FRAUEN GEWINNEN! gestartet. Wir wollen mehr Frauen und Mädchen für Bewegung und Sport begeistern, sie als Aktive und Ehrenamtliche in Sportvereinen und als Führungskräfte an die Spitze unserer Vereine und Verbände holen. Im Rahmen unserer FrauenSportWochen von Mai bis September wollen wir gemeinsam mit Mitgliedsverbänden und Vereinen gezielt Frauen und Mädchen ansprechen. Wir wollen mit unseren Sportangeboten besonders die Frauen erreichen, die heute noch abseits stehen: z.B. junge Mütter, berufstätige Frauen, aber auch Hartz IV- Empfängerinnen, Migrantinnen und Seniorinnen. Wir müssen vor allem auch handeln, wenn die Höhe der Mitgliedsbeiträge zum Hindernis wird.

Chancengleichheit und Gewalt gegen Frauen als Themen

Zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen Ende November 2009 wollen wir mit unseren Kampfsportverbänden und -vereinen sowie Fraueninitiativen bundesweit für das Tabu-Thema Gewalt gegen Frauen sensibilisieren, aber auch Frauen und Mädchen stärken, nicht zu schweigen, sondern sich gemeinsam gegen jegliche Form der Gewalt zur Wehr zu setzen. Beim Verbandswettbewerb „Frauen an die Spitze“ können sich Verbände 2009 in einem fairen Wettstreit messen, wer die besten Ideen und Konzepte hat, Chancengleichheit im Sport herzustellen und Frauen an den Führungsaufgaben gleichberechtigt zu beteiligen. Es gibt Verbände, die in ihren Präsidien 40% Frauen und mehr haben und die dafür sorgen, dass die Rahmenbe-dingungen und das Klima stimmen. Sie werden Ende 2009 ausgezeichnet und sollen Vorbilder für uns alle sein.

Wir wollen aber auch unsere Frauen im Sport gezielt ansprechen: sie sollen sich in Führungstalente-Camps „warm laufen“: Es sollte künftig keine Präsidiumswahlen mehr geben, in denen nicht gleich mehrere Frauen kandidieren und gewinnen! Ein besonderes Anliegen des vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Netzwerkprojektes Bewegung und Gesundheit - mehr Migrantinnen in den Sport ist es, Migrantinnen zu mehr körperlich-sportlicher Aktivität zu motivieren und Migrantinnen über den Vereinssport mit dem deutschen Gesundheitswesen vertraut zu machen. Darüber hinaus werden Sport und Bewegung mit Bildungs- und Qualifizierungsangeboten wie beispielsweise einem Sprachkurs verbunden.

Vielfältige Mitmachangebote

Wir freuen uns, dass Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Schirmherrin der Kampagne ist und eine Schar prominenter Frauen, unsere Bundesministerinnen, Frauen aus der Wirtschaft, Wissenschaft und natürlich unsere Spitzenathletinnen „FRAUEN GEWINNEN!“ unterstützen. Sie alle sind Vorbilder für Frauen und sollen andere Frauen auf ihrem Weg an die Spitze der Sportverbände und Vereine begleiten.

Wir bieten mit der Kampagne FRAUEN GEWINNEN! für unsere Verbände und Vereine vielfältige Mitmachangebote an und laden sie und alle gesellschaftlichen Gruppen zum Mitmachen ein. Sie alle werden erleben, wie Frauen im Sport mit ihren Ideen und ihrem Einsatz neuen Schwung einbringen.

www.frauen-gewinnen.de ist ein heißer Tipp für alle Frauen im Sport, für alle die noch draußen stehen und für alle, Frauen und Männer, denen der Sport und die Gleichstellung am Herzen liegen und die ein Streben danach für selbstverständlich halten! Denn Sport hält nicht nur gesund und fit. Sport kann Selbstbewusstsein stärken und Vertrauen in die eigene Leistungs- und Durchsetzungskraft entwickeln und nicht zuletzt Gemeinschaftserlebnisse vermitteln. Dazu braucht der Sport zu gleichen Teilen Frauen und Männer als Vorbilder.


  • Ilse Ridder-Melchers will am Internationalen Frauentag auch Missstände anprangern.
    Ilse Ridder-Melchers will am Internationalen Frauentag auch Missstände anprangern.

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