Schwerpunkt liegt 2009 auf dem Gebiet „Frauen und Gleichstellung“

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will den Schwerpunkt der Arbeit des Jahres 2009 auf den Bereich „Frauen und Gleichstellung“ legen.

DOSB-Präsident Thomas Bach mit den Olympasiegerinnen Ilke Wyludda, Jana Thieme und Silke Renk-Lange (v.l.). Foto: Frank Löper
DOSB-Präsident Thomas Bach mit den Olympasiegerinnen Ilke Wyludda, Jana Thieme und Silke Renk-Lange (v.l.). Foto: Frank Löper

Dies kündigte DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach bei der 3. Frauen-Vollversammlung des DOSB in Halle an der Saale an, die unter dem Thema „Gender und Diversity - Konkurrenz oder Verstärkung? - Frauen im DOSB positionieren sich“ stand. Bach begründete die geplante Offensive mit den Worten: „Wir können es uns nicht erlauben, die Fähigkeiten von 50 Prozent unserer Bevölkerung links liegen zu lassen - weder im Sport noch in der Gesellschaft.“ Und er sagte weiter: „Wir können in diesem Jahr selbstbewusst zeigen, wo Frauen im Sport überall präsent sind, und wir wollen mit unseren Aktionen noch mehr Frauen und Mädchen für Bewegung und Sport begeistern und mehr Frauen als Ehrenamtliche in unsere Vereine und Verbände - besonders auch in Führungsgremien - integrieren.“ Die DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, Ilse Ridder-Melchers, erhielt für ihre Arbeit in Halle nicht nur Rückenwind durch den DOSB-Chef, sondern auch durch den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, der die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland als „eine Riesenchance für unsere Gesellschaft“, bezeichnete, „um die Chancengleichheit zu forcieren“. 

40 % der DOSB-Mitglieder sind weiblich

Ilse Ridder-Melchers machte in Halle deutlich, welche Macht die Frauen in der Sportlandschaft darstellen: 2007 waren von 23,7 Millionen DOSB-Mitgliedern 9,36 Millionen weiblich, das ergibt eine Frauenquote von 40 Prozent. In den 50er Jahren waren es einst magere zehn Prozent. Bei den Olympischen Spielen in Peking lag der Anteil der Athletinnen bei 44 Prozent, doch in Deutschland sind nur zwölf Prozent der Leistungstrainer Frauen. Während 32 Prozent weibliche Ehrenamtliche als Übungsleiterinnen, Schieds- und Kampfrichterinnen sowie an der Vereinsbasis engagiert sind, lässt die Zahl der Frauen in den Präsidien der Landes- und Bundesverbände noch sehr zu wünschen übrig. Beruf, Kinder und Führungsämter: um diese Dreifachbelastung zu managen, bräuchten Frauen familienfreundliche Rahmenbedingungen in den Vereinen und Verbänden, Partnerschaft zu Hause und Verbandspräsidenten, die gezielt weibliche Kandidaten in den Blick nehmen. „Nicht unendlich viel Zeit und Sitzfleisch, Beziehungen und eine lange Ehrenamtskarriere dürfen den Ausschlag geben, sondern Fähigkeiten und Engagement. Dann haben Frauen auch mehr Chancen“, sagte Ilse Ridder-Melchers. DOSB Präsident Bach appellierte in Halle an die Frauen-Vollversammlung: „Sorgen Sie mit dafür, dass möglichst viele weibliche Delegierte bei der nächsten DOSB-Mitgliederversammlung am 8. Dezember in Rostock dabei sind.“ 

Der DOSB- Präsident bezeichnete es in Halle als eine zentrale Aufgabe des Sports, Gleichstellung und Vielfalt zu sichern, denn die wichtigsten Herausforderungen für den Sport seien einerseits Fragen der Chancengleichheit und Integration und andererseits die demographische Entwicklung. Bach: „Die Leitideen des Sports, wie zum Beispiel ´Sport für alle` stehen für eine Vereins- und Verbandskultur, in der gegenseitiger Respekt, Wertschätzung und Offenheit gegenüber jedem und jeder Einzelnen unabhängig von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung, sexueller Orientierung und Alter eigentlich selbstverständlich sind.“ Als ein hervorragendes Beispiel für Diversity bezeichnete Bach die Olympischen Spiele, bei denen sich in vielen Belangen unterschiedliche Menschen aus 204 Nationen zum friedlichen Wettstreit treffen. 

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger forderte in Halle mehr Respekt vor der Leistung anderer Menschen und eine Bewusstseinsbildung. Dieser Respekt sei unter Männern dem Frauenfußball gegenüber größer geworden: „Die gucken nicht mehr in der Hoffnung, dass irgendwann der Trikottausch kommt.“ Zwanziger forderte Veränderungen an der Basis, um Diversity eine Chance zu geben: „Die Akzeptanz einer Spruchkammer in einem Fußballkreis, in der nur Deutsche sitzen und denen ein türkischer Fußballer gegenübersteht, kann nicht genügen.“ Thomas Bach machte aber auch deutlich, dass Diversity menschliches Miteinander ist und in den 91.000 Sportvereinen täglich gelebt wird: „In einer Mannschaft wird gelernt und geschätzt, das jeder andere Qualitäten hat.“ 

Es gibt noch viel zu tun

Dass es für die Frauen im Sport noch viel zu tun gibt, wurde auch in der Podiumsdiskussion deutlich. „Vielleicht erlebe ich einmal, dass eine Frau in der Ersten Fußball-Bundesliga auf der Trainerbank sitzt“, sagte die Diversity Managerin der Deutschen Lufthansa, Monika Rühl. Und Prof. Dr. Birgit Riegraf von der Universität Bielefeld forderte, dass im Fußball die Frauen genauso viel verdienen müssten wie die Männer. Als Ergebnisse von vier Workshops wurde unter anderem festgehalten, dass Diversity Management Gleichstellungspolitik und Gender Mainstreaming nur ergänzen, aber nicht ersetzen kann. Diversity soll den Sport zur produktiven Aufnahme von Vielfalt befähigen, und es sollen innerhalb des DOSB - so die Wünsche der Delegierten - Schulungen vorgenommen werden, um die Vorteile von Gender und Diversity Management nutzen zu können. 

Im parlamentarischen Teil der Frauen-Vollversammlung wurde mit breiter Mehrheit beschlossen, die erfolgreich gestartete DOSB-Aktion „Gewalt gegen Frauen - nicht bei uns“, fortzuführen, die Vernetzung auszubauen und weitere Unterstützung einzufordern. Mit einer geballten Ladung von Frauenpower waren die rund 120 Delegierten aus den Mitgliedsorganisationen  bei der 3. Frauen-Vollversammlung des DOSB im Stadthaus in Halle an der Saale begrüßt worden. Die Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados hieß als Vertreterin der Sportministerin des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Gerlinde Kuppe, deren Staatssekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel willkommen und stellte zudem drei Olympiasiegerinnen aus Halle vor: Ruderin Jana Thieme-Ullrich (Gold im Doppelzweier 2000), Ilke Wyludda (Gold im Diskuswerfen 1992) und Silke Renk-Lang (Gold im Speerwerfen 1992), die jetzt als Vizepräsidentin des Landessportbundes Sachsen-Anhalt die Belange der Frauen vertritt. „Gender Mainstreaming im Sport wurde in Sachsen-Anhalt wie in keinem anderen Bundesland nach vorne gebracht“, sagte die Staatssekretärin voller Stolz. Erfahrungen, die Ilse Ridder-Melchers zusätzlich bestärkten, weiter engagiert für die Sache der Frauen zu kämpfen. Die Frauen-Vollversammlung des DOSB 2009 wird auf Einladung des LSB Schleswig-Holsteins in Lübeck stattfinden.


  • DOSB-Präsident Thomas Bach mit den Olympasiegerinnen Ilke Wyludda, Jana Thieme und Silke Renk-Lange (v.l.). Foto: Frank Löper
    DOSB-Präsident Thomas Bach mit den Olympasiegerinnen Ilke Wyludda, Jana Thieme und Silke Renk-Lange (v.l.). Foto: Frank Löper

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