Mentoring: Erfahrungen, Einschätzungen und Entscheidungen

Im DOSB-Mentoring-Projekt erhalten neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang Unterstützung einer erfahrenen Mentorin oder eines erfahrenen Mentors. Im Interview kommen die Teams zu Wort.

Die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Natascha Keller nimmt am DOSB-Mentoring-Projekt teil. Foto: picture-alliance
Die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Natascha Keller nimmt am DOSB-Mentoring-Projekt teil. Foto: picture-alliance

In puncto Karriereleiter-Know-how gibt es beim Mentoring selbst für Olympiasiegerinnen und Medaillen-Gewinnerinnen viel zu lernen. Der DOSB stellte in seinem Programm „Mit dem gemischten Doppel an die Spitze!“ neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang eine erfahrene Mentorin oder einen erfahrenen Mentor an die Seite, um sie für ehrenamtliche oder hauptberufliche Führungsaufgaben im organisierten Sport zu gewinnen. In unserer Interview-Serie lassen wir die neun Mentoring-Teams zu Wort kommen. Diesmal: Rekord-Na-tionalspielerin und Hockey-Olympiasiegerin Natascha Keller und Medien-Profi Gerd Graus.

Sie beide haben die Olympia-Bewerbung unterstützt – inwieweit war das The-ma in Ihrer Zusammenarbeit?

GERD GRAUS: Zu Beginn unserer Zusammenarbeit stand dieser Fakt noch nicht fest. Im Laufe des Mentoring-Jahres wurde aber klar, dass die Bewerbungsphase unsere Zusammenarbeit prägen wird.

Kurioserweise haben Sie sich nicht für dieselbe Stadt engagiert.

NATASCHA KELLER: Das war schon etwas schwierig, da ich selber als Botschafterin in Berlin unterwegs war. Das größte Projekt meines Mentors war aber die Beratung für die Bewerbung Hamburgs für Olympische und Paralympische Spiele.

Entstand dabei keine sportliche Konkurrenz?

GRAUS: Nein, ein Konkurrenzkampf ist daraus nicht entstanden. Ganz im Gegenteil, wir haben uns bei unseren Treffen über die Themen der Bewerbung austauschen können.

Und worüber noch?

KELLER: Gerd Graus hat schon viele große Sport-Events und Projekte begleitet – ich kann sehr viel von seinen Erfahrungen lernen. Zudem hat er mir Einblick in einige seiner aktuellen Projekte wie zum Beispiel beim Thema „Jugend trainiert für Olympia“ ermöglicht.

Und dann kam Ihnen die Hamburg-oder-Berlin-Frage ein bisschen in die Quere?

GRAUS: Meine ursprüngliche Idee, Natascha Keller anhand eines Bewerbungsverfahrens Themen der Sportpolitik, Lobbyarbeit und damit natürlich auch Aspekte der Wirkung von ehrenamtlich tätigen Sportfunktionären näher zu bringen, war in dem Moment auf Eis gelegt, als sie in die Berliner Bewerbung eingespannt wurde. Dies hatte natürlich auch Auswirkung auf die Gestaltung unserer Zusammenarbeit.

Auf Eis gelegt? Das klingt nach einer Fortsetzung...

KELLER: Ich bin mir sicher, dass wir uns über das Mentoring-Programm hinaus weiterhin austauschen werden. Über den Kontakt zu meinem Mentor Gerd Graus bin ich sehr glücklich.

GRAUS: Wir werden auch zukünftig Sparrings-Partner bleiben, da ich nun meine ursprüngliche Intention wieder aufnehmen kann.

Welche Intentionen verfolgen Sie als Mentor?

GRAUS: In dem speziellen Fall Natascha Keller, die bereits bestens im Sport vernetzt ist, geht es mir vor allem darum, sie noch intensiver mit den Themenfeldern vertraut zu machen, in denen sie sich bereits seit Jahren bewegt und Fragen zu beantworten, die sich ihr in diesem Zusammenhang stellen. Mit erscheint es wichtig, Erfahrungen weiter zu geben, bei Entscheidungsfindungen an der Seite zu stehen, Einschätzungen zu vermitteln.

Welche Erfahrungen wollten Sie im Mentoring-Programm sammeln, Frau Keller?

KELLER: Ich wollte meinen Horizont erweitern und mein Netzwerk ausbauen.

Und ist das Ziel – ein Jahr später – noch dasselbe?

KELLER: Da hat sich nichts verändert.

Warum ist Netzwerken so enorm wichtig?

GRAUS: Wenn die Zielsetzung ist, als Sportler sein berufliches Leben weiter im Sport zu verbringen und auch die Vorstellung weiter zu entwickeln, ehrenamtlich tätig zu werden, ist ein gutes Netzwerk unumgänglich. Den richtigen Ansprechpartner zu finden, um Fragen klären und Expertise zu bekommen ohne Zeit zu verlieren, ist extrem wichtig. Da hilft ein Netzwerk enorm. Als ehemaliger Sportjournalist, als Medienverantwortlicher der FIFA Fußball-WM 2006 und als Pressesprecher des DOSB kann ich Natascha Keller dabei durchaus Tipps geben und selbst sie noch mit einigen Menschen bekannt machen.

Ihr eigenes sportliches Netzwerk ist gar nicht so klein – Sie haben sich nach Ihrem leistungssportlichen Karriere-Ende längst Ihrer beruflichen Karriere gewidmet. Was ma-chen Sie genau?

KELLER: Seit über einem Jahr bin ich Geschäftsführerin der Management-Agentur Vollpension Medien GmbH. Wir betreuen Sportler, Schauspieler und Moderatoren. Ich habe schon in meiner aktiven Hockeyzeit neben dem Sport ein BWL-Studium abgeschlossen und viele Berufserfahrungen gesammelt.

Apropos Erfahrung: Was hat das Mentoren-Dasein Ihnen persönlich gebracht, Herr Graus?

GRAUS: Die erste Phase unserer Zusammenarbeit hat mir gezeigt, wie sehr ein solch intensives Thema wie die Olympia-Bewerbung auch eine im Sport bewanderte Person wie Natascha Keller noch überraschen kann. Mir persönlich hat diese Zusammenarbeit gezeigt, wie wichtig in diesem speziellen Fall des Mentorings einer bekannten Sportlerin der detailtreue Austausch ist, um ihr z.B. Zusammenhänge und Strategien zu erklären und als Rüstzeug für kommende Aufgaben mitzugeben.

(Quelle: DOSB)


  • Die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Natascha Keller nimmt am DOSB-Mentoring-Projekt teil. Foto: picture-alliance
    Die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Natascha Keller nimmt am DOSB-Mentoring-Projekt teil. Foto: picture-alliance

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