Die Job-Karriere ist kein Selbstläufer

Im DOSB-Mentoring-Projekt erhalten neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang Unterstützung einer erfahrenen Mentorin oder eines erfahrenen Mentors. Im Interview kommen die Teams zu Wort.

Navina Omilade spielte von 1998 bis 2013 in der Fußballbundesliga; zuletzt beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance
Navina Omilade spielte von 1998 bis 2013 in der Fußballbundesliga; zuletzt beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance

In puncto Karriereleiter-Know-how gibt es beim Mentoring selbst für Olympiasiegerinnen und Medaillen-Gewinnerinnen viel zu lernen. Der DOSB stellte in seinem Programm „Mit dem ge-mischten Doppel an die Spitze!“ neun ehemaligen Spitzensportlerinnen ein Jahr lang eine erfahrene Mentorin oder einen erfahrenen Mentor an die Seite, um sie für ehrenamtliche oder hauptberufliche Führungsaufgaben im organisierten Sport zu gewinnen. In unserer Interview-Serie lassen wir die neun Mentoring-Teams zu Wort kommen. Diesmal: Champions-League-Gewinnerin und DFB-Pokalsiegerin Navina Omilade und Inka Müller-Schmäh, Geschäftsführerin der Vereinigung Sportsponsoring (VSA).

Als Mentee und Mentorin waren Sie nun ein Jahr lang ein Team – vorher kannten Sie sich aber schon in einer anderen Konstellation...

INKA MÜLLER-SCHMÄH: Ja, vom Platz. Navina als Spielerin, ich als Schiedsrichterin in der Frauenfußball-Bundesliga. Aus meiner Position heraus fiel es mir da sicher leichter, in unser Team zu gehen. Mich hat gefreut, dass auch Navina dafür offen war und fand, dass ich in dem Job als Schiedsrichterin ganz gut gewesen sei.

Wie war Inka Müller-Schmäh denn in ihrem Job als Mentorin?

NAVINA OMILADE: Wunderbar! Sie hat eine beeindruckende Karriere hingelegt, während ich erst vor zwei Jahren meine sportliche Karriere beendet habe und noch am Anfang stehe. So konnte ich von ihrer Berufserfahrung profitieren und habe gute Tipps von ihr bekommen.

Welche?

OMILADE: Anfangs stand ich gemeinsam mit Conny Pohlers mitten in der Gründung einer Sportmanagement-Agentur für den Frauenfußball, aber Conny ist schwanger geworden und dann gleich wieder ausgestiegen. Über die Frage, ob ich die Firma alleine weiterführen oder mich umorientieren soll, habe ich mit Inka viel diskutiert. Das war ein hilfreicher Austausch in einer Situation, in der ich nicht wusste wie es weitergehen soll. Inzwischen arbeite ich für ein Sportmarketing-Unternehmen, das Vereine sportartenübergreifend vermarktet.

Wie haben Sie Ihren Zögling dabei unterstützt?

MÜLLER-SCHMÄH: Wir haben regelmäßig und gemeinsam Navinas Situation und ihre Zielsetzungen überprüft. Ich habe sie vor allem bestärkt, an sich selber, ihre Neugier und Begeisterungsfähigkeit zu glauben. Mut gemacht, den eigenen Platz in dieser Welt zu suchen. Bei einer Niederlage nicht an sich zweifeln, sondern die Situation möglicherweise als die nächste Stufe auf der Treppe nach oben zu sehen. Und auch beruflich innezuhalten und ein Etappenziel zu setzen, wie sie es als Fußballerin gelernt hat.

Als Fußballerin waren Sie ehrgeizig, diszipliniert und durchhaltestark – ist die Karriere nach dem Sport damit vorprogrammiert?

OMILADE: Vielleicht hat man einen Vorteil gegenüber anderen, da Arbeitgeber solche Eigenschaften eines Spitzensportlers natürlich schätzen. Trotzdem ist die berufliche Karriere noch lange kein Selbstläufer, man muss sich alles knallhart erarbeiten. Zudem muss man das Glück haben, immer wieder die richtigen Entscheidungen zu treffen – wie im Sport.

Ist es denkbar, dass Sie sich eines Tages vielleicht für eine Führungsposition im organisierten Sport entscheiden?

OMILADE: Momentan strebe ich das nicht unbedingt an, aber ein ehrenamtliches Engagement kann ich mir gut vorstellen. Zeitlich passt das gerade nicht, aber das Mentoring-Programm hat mir gezeigt, was für eine wichtige Rolle das Ehrenamt im Sport spielt. Auch weil meine Mentorin sich im Sport ehren- und hauptamtlich sehr engagiert.

Was sind die wichtigsten Dinge – neben einer Vorbildfunktion – die eine Mentorin oder ein Mentor mitbringen sollte?

MÜLLER-SCHMÄH: Offenheit, gutes Zuhören und ein empathischer Austausch. Außerdem sollte man Spaß daran haben, sich auf neue Situationen und andere Menschen einzulassen. Sich also trotz unterschiedlicher Charaktere und Fähigkeiten gegenseitig zu schätzen und zu respektieren. Und die Bereitschaft, eigene Erfahrungen zu reflektieren, Schwerpunkte im Erfahrungsschatz zu setzen und diese weiterzugeben. Dazu muss man sich zuerst über Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren im eigenen Lebenslauf klar werden, aber auch auf Hürden oder Herausforderungen hinweisen, die vielleicht zu meistern sind.

Was ist Ihnen dabei klar geworden?

MÜLLER-SCHMÄH: Dass man nicht verbissen auf irgendein Ziel hinarbeiten sollte – eine positive Herangehensweise ist erfolgversprechender. Letztendlich sollte ein Mentor Verhaltensvarianten und Wege aufzeigen. Immer in dem Wissen, das jeder seinen eigenen Weg finden muss.

War das Mentoring-Programm für Sie beide ein Schritt in eine erfolgversprechende Richtung?

OMILADE: Ja, auf jeden Fall! Auch der Austausch mit den Mentoren und den anderen Mentees bei den Treffen mit der ganzen Gruppe war spannend und wertvoll. Als ehemalige Spitzensportlerinnen stecken wir Mentees alle in ähnlichen Situationen  – kurz vor dem teilweise holprigen Berufseinstieg und der Frage, wie man dahin kommt, wo man hin will.

MÜLLER-SCHMÄH: Die Gespräche und Inhalte der einzelnen Treffen war auch für mich definitiv ein Gewinn. Durch die intensive Rückschau auf den eigenen Werdegang habe ich tolle Impulse bekommen. Ich habe andere Mentorinnen und Mentoren mit anderen Erfolgsmodellen kennen gelernt. Eine Erkenntnis daraus: Auch im Job führen tausend Wege nach Rom.

(Quelle: DOSB-Presse/Michaela Rose (www.MEDIA2MOVE.de))


  • Navina Omilade spielte von 1998 bis 2013 in der Fußballbundesliga; zuletzt beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance
    Navina Omilade spielte von 1998 bis 2013 in der Fußballbundesliga; zuletzt beim VfL Wolfsburg. Foto: picture-alliance

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